Zunächst muss man etwas sagen über den Unterschied zwischen Frauen und Männern und deren sprachlichen/sozialen Kompetenzen:
Nach 3-monatiger Abwesenheit wegen Krankheit:
Kollegin 1: Hey, schön, dass du wieder da bist. Wie geht es dir?
Kollegin 2: Hi, schön dich wiederzusehen. Ich hoffe, es geht dir gut.
Kollege 1: Hallo.
Kollege 2: Oh, hallo.
Das Kind im Manne
Sich das Kind zu bewahren verstehen viele als etwas Positives, zumindest die betroffenen Männer selbst. Noch zum Spielen aufgelegt zu sein, ist für sie gleichbedeutend mit Nicht-alt-werden. Erstens schließt das Eine das Andere nicht aus. Zweitens ist es eine tolle Ausrede, nicht erwachsen werden zu wollen. Und warum soll es drittens nur für Männer gelten? Hat je schon einmal jemand vom Kind in der Frau geredet? Gemeint ist nicht die Kindsfrau, die sich offenbar viele Männer wünschen, wenn sie nämlich eine jüngere Frau bevorzugen. Frauen werden erwachsen, weil sie es irgendwie müssen. Das Leben lässt ihnen kaum eine andere Wahl. Und warum finden es dann Männer so toll, Kind bleiben zu wollen? Weil sie dann keine Verantwortung übernehmen müssen für all das, was sie tun oder auch nicht tun.
Mansplaining
Ich muss zugeben, ich finde dieses Wort großartig. Ich finde dann Wörter toll, wenn sie so simpel, hier mit einem Wort, einen doch komplexen Sachverhalt erklären. Deshalb gibt es oft keine guten Übersetzungen in andere Sprachen.
Ein Mann erklärt einer Frau die Welt, in der Annahme, dass sie – als Frau – eher minderbemittelt ist. Ganz toll wird es, wenn Männer der Frau deren Job erklären, vom dem sie in der Regel selbst wenig wissen. Und wenn dies dann mit haarsträubenden Aussagen geschmückt wird, worum sie sich in der Regel einen feuchten D. … kümmern. Der Frau wird es ja sowieso nicht auffallen, weil s. o. minderbemittelt. Der frechen überzeugten Inbrunst tut dies absolut keinen Abbruch. Eine Geschmacksprobe: Die Frankfurter Schule habe die Sozialpädagogik erfunden. Erstaunlich ist der Energieaufwand beim Erstellen von Zusammenhängen, wo es schlichtweg keine gibt. Da schauen ja Verschwörungstheoretiker fast blass dagegen aus. Schön finde ich auch die Geschichte einer Wissenschaftlerin, der ein Mann auf einer Party ihr eigenes Buch empfiehlt, denn erst dann könne sie richtig mitreden. Es kam offenbar nicht zur Aufklärung des Mannes.
Mit mansplaining in Verbindung steht auch ‘to patronize’. Auf Deutsch wird es meistens mit bevormunden übersetzt. Aber das trifft doch nicht den Kern. Es wird hergeleitet von Patron, Vater, Pater, und damit ist schon das Wichtigste ausgesagt, in der deutschen Übersetzung leider lost in translation: Die Bevormundung geht von einem männlichen Wesen aus und richtet sich vermutlich gegen ein weibliches. Es gibt kein ‘matronize’.
Weltsicht eines Mannes
Um meine ganz gewöhnliche Uhrzeit, zu der ich jeden Tag aus dem Haus gehe, treffe ich meinen Nachbarn: Oh, du schon unterwegs? – Na ja, wie jeden Tag. Es war nicht seine Zeit. Aus seiner Sicht hatte sich die Welt geändert, nicht sein Verhalten. Das passierte dann noch ein paarmal. Männliche Unfähigkeit Distanz zu sich einzunehmen, über den eigenen Standpunkt im wahrsten Sinne des Wortes zu reflektieren?
Empatisch or emphatisch?
Or: ‘the culture compensatory regime of polite avoidance and wishful thinking’ (Jess Row, see below)
Texts do communicate with each other, and so do words, and a few times even letters. But not in the way we usually think of communication when trying to transmit our intentions to others.
It is surprising how many men (because of women I simply don’t know) describe themselves on dating platforms as “emphatisch”. What they presumably want to say is something pretty different, that is to say “empathisch”, also presumably because they have learnt somehow that this is a characteristic women like in men. So, they just don’t bother about what they are saying. To be emphatic is not even a word for describing a person. What does it mean? You can say something emphatically. The Oxford dictionary says, you can close a door emphatically, or you can feel emphatically English, though born in California. But definitely, you can’t be emphatic. Now, you might say, oh, that is just misspelled. Yes, in some way it is a question of spelling. But the problem arises when the mistake lets us understand something completely different.
In November 2018 Jess Row published an article in The New Yorker by the title ‘Why is being held accountable so terrifying under patriarchy?’ It is about the hearings of Brett Kavanaugh, now associate justice in the US Supreme Court, accused of sexual assault which he was denying. Asked by the US senator Dianne Feinstein if the allegations were wrong, he answered: “Yes, that is what emphatically what I’m saying, emphatically. The Swetnick thing is a joke. That is a farce.” At the beginning of the same article, Row writes that the behavior of Kavanaugh opened up that vein of reflexive empathy that conservatives often reserve for white men in positions of power.
Empathy is an attitude towards others, especially others who are different from us, because that is the exercise here, to understand something which is different from what we normally assume. In this case, it would be the woman, the vulnerable woman who was the victim of his own assault. However, what he is asking is the empathy towards himself, the offender, not the victim, and this in an emphatic way. That is the scandal.
When men claim that they are empathic, but actually are saying they are emphatic, what they are claiming is the role of the victim (in the mask of an empathic person), but in reality being the offender. Like the guy claiming that for his whole life he has been the victim, starting from his mother up to all the women he had relationships with (the women always the offenders), claiming now that she can decide, but at the first opportunity he took the decision for her ignoring her refusal. In his book “Männerphantasien” Klaus Theweleit writes: ‘Getarnt als Stier (als Opfer) begeht von Selchow einen glatten Mord an dieser Frau, der ihn tief befriedigt.’
One solution I have seen is to skip the difficult letter at all: empatisch. But my top candidate is emphatisches Bewusstsein (emphatic conscience). I would like to see the guy “having it”.
Gockel
Eine Sitzung mit wenigen Frauen und viel mehr Männern, alle irgendwie links, letztere sicherlich vom Anspruch her keine Machos. Dennoch müssen sie sich aufplustern, schlagen mit den Flügeln, halten unglaublich lange Reden, deren Inhalt die meisten Frauen in der Lage gewesen wären, in ein bis zwei Sätzen unterzubringen. Irgendwie ist es faszinierend, ihnen zuzusehen – wie sie irgendwie nichts von alldem bemerken. Alles, was sie sagen, ist wichtig. Viele haben diesen Blick in die Runde: Habt ihr auch alle mitbekommen, was ich Wichtiges mitzuteilen habe? (Noch schlimmer ist nur noch, wenn diesen Blick seine Frau übernimmt: Schaut mal, wie toll mein Mann ist.) Zustimmung erheischend, anbiedernd – was bei mir regelmäßig ein Schaudern auslöst, ein Schaudern des Angewidertseins.