Ratgeber – Halbwissen/Halbbildung

Schon Adorno hat sich mit der “universalen Halbbildung” (Adorno, Einleitung zu einer Diskussion über die “Theorie der Halbbildung”, gesammelte Schriften Bd.8) beschäftigt, der “Verwandlung aller geistigen Gehalte in Konsumgüter”. Und weiter: “Weder sind diese mehr verbindlich, noch auch nur eigentlich verstanden. Statt dessen informiert man sich über sie, um an der Kultur teilzuhaben.” Und: “Das halb Verstandene und halb Erfahrene ist nicht Vorstufe der Bildung, sondern ihr Todfeind.” Und: “Halbbildung jedoch hat das geheime Königreich, von dem zu Unrecht die Vielen ausgeschlossen waren und das allein schon deshalb kein rechtes war, zu dem Aller gemacht; alle können mitreden, alle gehören dazu, aber bloß als Konformierende, nicht in jener Autonomie, jener Freiheit, die an der Beziehung zur Sache wächst, so wie es einmal die Idee von Bildung selber gewesen ist.” Und aus der “Theorie der Halbbildung” selbst: “Bildungselemente, die ins Bewusstsein geraten, ohne in dessen Kontinuität eingeschmolzen zu werden, verwandeln sich in böse Giftstoffe, tendenziell in Aberglauben, selbst wenn sie an sich den Aberglauben kritisieren (…).” (S.111/112) Man möchte immer weiterzitieren. Adorno hat es damals schon alles gesagt.

Es trifft heute fast auf alle wohl gemeinten Tipps zu, auf Ratgeber, die entweder einfach nur banal sind oder aus einem halben oder eher Viertel- oder Achtelwissen ein großes Ding machen. Es wurde gehört, “das” Fernsehen hat es doch gesagt, es stand in “der” Zeitung. Und man glaubt. Ich kenne eine Heilpraktikerin, die … Alle Ärzte, nicht einer, haben natürlich unrecht. Das Problem ist das Halbe oder Viertel.

Svend Brinkmann hat dazu ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: Pfeif drauf. Schluss mit dem Selbstoptimierungswahn. Recht hat er! Er nennt es einen Anti-Ratgeber. Hört endlich auf damit, auf den letzten, angesagten Ratgeber zu hören.