Jedes Jahr, wenn ich die Stände mit einigen der 30 Millionen Weihnachtsbäume sehe, überfällt mich eine tiefe Traurigkeit, die nur dadurch potenziert wird, dass zwei, drei Wochen später dieselben Bäume, aber dieses Mal um ein Vielfaches schlechter aussehend, wieder auftauchen, um elendlich entsorgt zu werden. Wir lassen sie jahrelang – bei einem großen Baum zwischen acht und zwölf Jahren – wachsen, um sie dann in ein viel zu warmes Wohnzimmer zu stellen und ihnen dabei zuzusehen, wie sie langsam ihre letzte Energie aushauchen, die darin besteht, zu versuchen so lange wie möglich ihre Nadeln zu behalten, die schließlich doch abfallen, was uns wiederum ziemlich ärgert. Das ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Nachhaltigkeit.
Woher kommt dieser Brauch? Vermutlich ist er heidnischen Ursprungs, der die Wintergeister vertreiben sollte. Später hat dann die Kirche mithilfe des Tannenbaums die Vertreibung aus dem Paradies dargestellt. Ein Tannenbaum als Baum der Erkenntnis? Im Winter musste es eben ein immergrüner Baum sein. Der Tannenbaum hat also gar keinen Bezug zu Weihnachten. Warum nicht einfach auf ihn verzichten? Wie schön ist es nämlich, keinen zu haben.
Die meisten Tannenbäume sind umweltschädlich. In zwei Drittel von getesteten Bäumen wurden Pestizide nachgewiesen, viele sogar in der EU verboten. Außerdem wachsen sie meistens in Monokulturen, was Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat. Auch der BUND rät, sich entweder nur Bio-Tannenbäume zu kaufen oder am besten gleich darauf zu verzichten und sich Alternativen auszudenken wie Tannenzweige oder kreative Gestelle.